Olaf und Olaf im Gespräch

Olaf Steinbiss und Olaf Scholz im Gespräch über das Leben, Hamburg und die morgendliche Tasse Tee.

Frage: An was glauben Sie?

Steinbiss: Politisch gesprochen glaube ich an die
Selbstheilungskräfte einer modernen, aufgeklärten Gesellschaft.
Wir als Politiker müssen dafür die Weichen
stellen. Im Grunde wissen die Leute allzu gut, was
richtig und falsch ist.

Scholz: Pathetisch gesprochen: an die Liebe.

Frage: Wie sieht die Politik der Zukunft aus, damit die
Menschen Vertrauen und Glauben in die Politik
und die Politiker zurück gewinnen?

Scholz: Bei allem, was ich öffentlich sage, spreche ich
immer über Fakten. Die Bürgerinnen und Bürger mögen
es nicht, dass alles gleich klingt und politische
Entscheidungen fern ihres Einflusses getroffen werden.
Man kann auf ihre Urteilsfähigkeit setzen und darauf,
dass sie für Argumente zugänglich sind. Zudem sollte
man nichts versprechen, was man hinterher nicht halten
kann. So entsteht ein vertrauensvolles Verhältnis
zwischen Bürgern und Politik.

Steinbiss: Politiker müssen authentisch sein. Die Dinge,
die wir tun, müssen mit unserer Person, unserem
Charakter übereinstimmen.

Frage: Was ist Hamburg für Sie?

Scholz: Wirtschaftlich stark, mit einer langen Tradition
von Solidarität und Liberalität. Das machte Hamburg
aus – das hat mich bereits geprägt, als ich ein kleiner
Junge war. Ich war es gewohnt, dass Menschen
unterschiedlicher
Schichten miteinander diese wunderbare
Stadt prägen. Man hat zusammen gehalten,
Hamburg war der Ort, der das möglich gemacht hat.
Leider ist das in der jüngeren Vergangenheit verloren
gegangen. Das müssen wir wieder herstellen.

Steinbiss: Eine lebenswerte, wunderschöne Stadt, die
in vielen Dingen vorausgeht. Auch kulturell war Hamburg
Vorreiter in vielen Bereichen. Leider liegt hier die
Betonung auf der Vergangenheit.

Frage: Wenn Sie an Hamburg denken: Was stimmt Sie
besonders freudig, welche Entwicklung gefällt
Ihnen nicht?

Scholz: Ich bin froh, dass wir zwei Vereine in der
Bundesliga haben.
Schlecht ist, dass zu viele junge Menschen mit ihrem
Schulabschluss vor dem Nichts stehen, da ihnen keine
adäquaten Ausbildungsplätze angeboten werden.
Auch die recht hohe Zahl derjenigen, die keinen
Schulabschluss haben, ist besorgniserregend.

Steinbiss: Freudig stimmt mich, das sich die Hamburger
Regierungskoalition selbst entlarvt und damit sichtbar
wird, was dort im Rathaus an handwerklichen Fehlern
begangen wird. Freudig stimmt mich auch, dass
die Arbeit der SPD bei den Menschen immer mehr an
Anerkennung und Unterstützung erfährt.
Nachdenklich und ärgerlich stimmt mich aktuell besonders
die Entwicklung der Hamburger Kulturpolitik.

Frage: Tee oder Kaffee am Morgen?

Beide: Tee

Frage: Kino oder Theater?

Steinbiss: Theater, auch wenn ich mir sehr gerne Filme
anschaue. Im Kino stören mich immer die großen Leute
in der Reihe vor mir.

Scholz: Theater, auch wenn ich Kino sehr mag.

Frage: AC/DC oder Schumann?

Steinbiss: AC/DC.

Scholz: Es gibt Alternativen, denen sollte man sich
nicht verstellen.

Frage: Wein oder Bier beim abendlichen Kochen?

Steinbiss: Bier

Scholz: Wein, aber auch Bier.

Frage: Bauch oder Kopf?

Steinbiss: optisch? Besser Kopf! Wenn du mich fragst
wie ich Entscheidungen treffe, ist der Kopf maßgebend.
Im Bauch sind die Gefühle, die gerne beschriebenen
Flugzeuge, die im besten Falle die Entscheidungen
„absegnen“.

Scholz: Beides gehört zusammen. Der Mensch lässt
sich nicht trennen in das eine oder andere. Es gibt
in dem wunderbaren Roman von Heinrich Mann
„Die Vollendung des Königs Henri Quatre“ eine schöne
Beschreibung eines guten Politikers: Ein Minister Heinrichs
IV. berichtete ihm, wie sich die Wirtschaftsdaten
entwickelt hätten, worauf Heinrich antwortete: „Das
stimmt, ich war in den Pariser Kneipen unterwegs,
die sagen das auch.“ Gute Politik muss beide Fähigkeiten
besitzen.


 

Das Interview führte Thomas Holthoff.